Vom Fließband zur Generation Freelancer – digital-vernetzt statt linear und abhängig.

Erdrutsch in der Arbeitswelt – Teil 2

Nach Großrechnern, Personalcomputern und Telefonen, nach Information, Kommunikation und Unterhaltung erreicht das Internet einen neuen Meilenstein:  unsere Arbeitswelt. Begonnen mit Automatisierung und Rationalisierung, fortgesetzt mit Flexibilisierung und Individualisierung steht jetzt die gesamte Arbeitswelt auf dem Prüfstand.

Die erste Generation ist mit dem Web groß geworden: Zwischen 1980 und 1995 geboren, hinterfragt die “Generation Y” ihre durch Karriere und fehlende Zeit belasteten Elternhäuser, verlassen sich gut ausgebildete Jung-Manager nicht mehr auf Politiker und andere “Internet-Ausdrucker”. Mit dem Wissen um die knappe Ressource als Fach- und Führungskräfte stellen sie Wirtschaft und Verwaltung ihre Wünsche und Ziele vor.

Im 2. Teil unserer Reihe zeigen wir, was sich verändern wird, schauen hinter die Kulissen und benennen Notwendigkeiten, um morgen noch vorn mit dabei zu sein:

Ein Büro, z. B. in Berlin, heute in 2014: Es geht um Zeit und um den Ort. Es geht darum, wie lange wir anwesend sind. Jeden Tag und jede Woche. Nach dem Diktat der Stempeluhr. Wir werden für Präsenz entlohnt. So steht es im Vertrag. Schinden wir Zeit, profitieren wir. Was am Ende herauskommt, ist selten definiert. Der gesenkte Kopf am Schreibtisch gehört zur Überlebensstrategie. Die betroffenen “Babyboomer” sind nicht zu beneiden. In Deutschland zwischen 1955 und 1969 geboren, haben sie gelernt, sich unterzuordnen.

Sinn statt Status: Glück schlägt Geld.

Nachwuchs auf der Startup-Konferenz "Pirate Summit" 2013 in Köln
Nachwuchs auf der Startup-Konferenz „Pirate Summit“ 2013 in Köln

Heute 25-Jährige wissen, was dabei herauskommen kann: Väter, die nie zu Hause sind. Mütter, die sich nie selbst verwirklichen konnten. Familien, die zerbrechen und: Kinder, die darunter leiden. Diese Kinder kommen in die Betriebe und wollen etwas anders machen – für sich und für ihre Eltern. Sie wollen produktiv sein – mit Sinn und Verstand – statt nur präsent. Und sie wollen ihre Zeit nutzen – auch mit ihren Liebsten und ihrer Familie. Es geht um Flexibilität, um Freiräume, um Feedback und um Freude. Selbstbestimmung ist ein Statussymbol – Arbeit von Arbeitsplatz getrennt. Und die Kreativen gehen vorweg.

Führung durch Feedback und Fürsorge.

Unternehmen mit Weitbild haben das erkannt. Mit Guidelines für Arbeitnehmer und Vorgesetzte schafft z. B. Microsoft einen Rahmen für flexible Arbeitsmodelle in einer Organisation mit weltweit mehr als 90.000 Beschäftigten. In einem „Manifest für neues Arbeiten“ fordert Microsoft eine Debatte über das neue Arbeiten in Deutschland. Zu den Meilensteinen unter den 10 Empfehlungen für Microsoft-Manager zählen die Werte 1. Führung einschließlich Feedback und Fürsorge für die Mitarbeiter, 2. Vertrauen inkl. Wertschätzung und Eigenverantwortung sowie 3. Abwägung, z. B. von Stärken und Schwächen sowie Aufgaben und Erwartungen.

Auf der Mitarbeiter-Seite empfiehlt Microsoft 1. Eigenverantwortung zu übernehmen – inkl. Selbstmanagement für Ziele und Zeit. Dies erfordert 2. Selbstbewusstsein – um Fähigkeiten einzubringen und Bedürfnisse zu definieren. Zu guter Letzt steht eine offene und faire Kommunikation als 3. Faktor in den Empfehlungen für Mitarbeiter. Die Autonomie über Ort und Zeit der Arbeit zahlt sich für Unternehmen aus: Wer Zeit frei einteilen kann, macht keinen Dienst nach Vorschrift. Vorausgesetzt: Er bekommt die Freiheit. Freiheit, die Souveränität bedeutet – wie sie selbständige Unternehmer schätzen.

Die neue Richtung: Horizontal & vernetzt.

Galt in der “Generation X” der Babyboomer Personalverantwortung als Maßstab für Aufstieg, Wohlstand und Einfluss, wollen heutige Junior-Manager nicht mehr um jeden Preis Personal führen müssen. Ihnen geht es um Themen, die sie auch in wechselnden Rollen bearbeiten wollen. Und die Chance zu lernen, Expertise zu gewinnen und Werte zu generieren. Dies ist unabhängig von einem bestimmten Arbeitsplatz. Unternehmen wie Generali und Bosch haben begonnen, neben Führungskarrieren gleichwertige Projekt- und Expertenlaufbahnen anzubieten.

Möglich sind die neuen Wege durch die digitale Vernetzung unserer Arbeitswelt – mittels Smartphones, Tablet-PCs, Notebooks und Cloud-Services: Wissen steht für interne wie externe Partner vernetzt zur Verfügung – statt auf dem “Laufwerk C” einsam an Wert zu verlieren. Teams arbeiten über Zeitzonen hinweg an gemeinsamen Projekten und ihren Ergebnissen. Mitarbeiter, Kunden und Partner können sich jederzeit austauschen – ohne in den Flieger zu steigen. Wissen ist die Basis und nicht mehr nur in den Köpfen weniger.

Time Cole, Autor "Digitale Aufklärung" bei Microsoft in Berlin
Time Cole, Autor von „Digitale Aufklärung“ 2014 bei Microsoft in Berlin

Arbeitsplatz wie Arbeitszeit sind nicht mehr zementiert: In Göteborg gehen Firmen und Verwaltung einen Schritt weiter. “Weniger ist mehr” lautet die Devise. Für Angestellte eines Autohauses, einer Großmolkerei und der Verwaltung gilt: 6 Stunden Arbeit pro Tag sind genug – bei gleichem Geld. Weniger Stunden sind weniger Belastung. Weniger Belastungen heißt mehr Engagement. Und weniger Belastung heißt weniger Krankschreibungen. Die Ergebnisse: Produktivität: +50%, Krankenstand: -5%. Das Modell beginnt in Schweden Schule zu machen.

Leben, um zu arbeiten? Arbeiten, um zu leben?

Warum wollen junge Fach- und Führungskräfte anders arbeiten? Weil sie in sozialen Netzwerken erleben, was es wert ist, Wissen zu teilen. Weil sie ihre Ideen einbringen und umsetzen wollen. Und weil sie ihrem Partner den Rücken freihalten wollen, mit der Tochter ein Baumhaus bauen möchten und sich um ihre eigenen Eltern kümmern wollen. Und damit etwas von dem korrigieren, was ihre Eltern erleben mussten. Und weil “Selbstbestimmung das Statussymbol” dieser Generation ist. Auch wenn es nur auf rund ein Viertel der heute 20 bis Anfang 30-Jährigen zutrifft. Jene, die gut ausgebildet und behütet aufgewachsen sind. Sie können als Vorreiter für die breite Mitte dienen.

Kreative Zukunft: Talent, Toleranz & Technologien.

Sie sind die Basis einer “kreativen Klasse”, die kreativ – also schöpferisch – arbeitet, in allen Bereichen der Arbeitswelt. Einer Klasse, die nach dem amerikanischen Soziologen Richard Florida drei Werte voraussetzt: 1. Ein Umfeld von Aus- und Weiterbildung sowie Förderung von Talenten, 2. eine offene Kultur der Toleranz, Menschen zu integrieren und 3. Technologien, um flexibel so arbeiten zu können, wie sie es möchten. Dies sind regionale Voraussetzungen, die ökonomisches Wachstum in den Regionen ermöglichen.

Arbeit ist eine Tätigkeit – und kein Ort. Und Wissen macht im Beruf nicht mehr den Unterschied. Die Ungebildeten des 21. Jahrhunderts werden nicht diejenen sein, die nicht lesen oder schreiben können, sondern jene die nicht lernen, verlernen und neu lernen können. Diesen Worten des amerikanischen Zukunftsforschers Alvin Toffler sind nur noch ein paar Fragen hinzuzufügen:

Wie werden wir in Zukunft unsere Leistung bemessen? Und wie können wir dies fair für alle organisieren? Mehr dazu in Teil 3 von “Erdrutsch in der Arbeitwelt” – hier auf dem Netfox-Blog.

Autoren: Thomas Keup, Kristin Dethloff

Über NETFOX AG

Die NETFOX AG versteht sich als IT-Dienstleister der nächsten Generation - mit der Erfahrung aus 25 Jahren Beratung und Betreuung von Hardware, Software und Services in Unternehmen und Verwaltungen. Die IT-Spezialisten der NETFOX AG arbeiten daran, aktuelle Probleme der Kunden zu lösen sowie Zeit und Kosten zu sparen. NETFOX. Sicherheit inklusive.

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