Vom Fließband zur Generation Freelancer – Symptome, Ursachen und Folgen

Erdrutsch in der Arbeitswelt – Teil 1

Rund ⅔ aller Arbeitnehmer machen Dienst nach Vorschrift. Jeder 5. Mitarbeiter hat innerlich bereits gekündigt. Nur 10% aller Beschäftigten fühlen sich mit ihrem Arbeitgeber emotional verbunden. Die Ergebnisse des weltweiten “Engagement Index” der Unternehmensberatung Gallup sprechen einen eigene Sprache.

Zugleich drängt die “Generation Y” der ab ca. 1985 Geborenen in die Wirtschaft. Traditionelle Arbeitgeber ziehen bei “Young Potentials” mit iPhone und MacBook unterm Arm immer häufiger gegen Startups den Kürzeren – und tappen in die Fachkräftefalle. Der Arbeitsmarkt ist in Aufruhr – nichts scheint mehr so zu bleiben, wie es war.

Mit diesem Beitrag benennen wir die wichtigsten Symptome, pointieren wir die technischen Ursachen und zeigen die schwerwiegenden Folgen am Arbeitsmarkt 2014:

Fakt 1: “Facetime with the Boss”  

In vielen Unternehmen und Verwaltungen gilt der Standard: “Von 9 bis 5” zeigen Deutschlands Arbeitnehmer Präsenz gegenüber ihrem Chef. Anwesenheit im Büro steht für Produktivität. Im Hochhaus eines Münchener Großunternehmens gilt der unausgesprochene Dreiklang von “Meetings abhalten, Kaffee trinken und aus dem Fenster gucken”, wie ein Insider mir verraten hat. Arbeitsbeschaffung ersetzt Produktivität, Selbstrechtfertigung dominiert vor Leistung, jeder steigt auf bis zur eigenen Unfähigkeit. Die Grundlagen werden in Schule und Studium gelegt – industrialisiert und modularisiert, wie Ex-IBM-Chefvisionär Gunter Dueck bereits 2012 schreibt. Berufsfähigkeit statt Persönlichkeitsentwicklung ist das Ergebnis.

Fakt 2: “Karriere statt Kinder”

Unternehmen erwarten von leitenden Mitarbeitern Erreichbarkeit rund um die Uhr. Wer sein Smartphone abschaltet, riskiert den gutbezahlten Job und damit die Karriere. Ob Feierabend, Wochenende oder Urlaubszeit – wer in klassischen Hierarchien eine Führungsrolle hat, tauscht sein Privatleben gegen Dienstwagen, Notebook und Handy ein. Die Folge: Fast 20% aller Arbeitnehmer hierzulande fühlt sich überfordert, 43% klagen über wachsende Belastung, sagt der Stressreport 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Das Burn-Out-Syndrom ist in aller Munde, psychische Erkrankungen klettern laut DAK auf Platz 2 der Gründe für Krankschreibungen.

Fakt 3: “Mit Arbeit in Armut”

Die Arbeitssituation in Deutschland – für die Einen wird sie zur Last, für die Anderen zum Leid: 8 Mio. Beschäftigte sind in den Niedriglohnsektor abgerutscht – verdienen meist weniger als 9,- € pro Stunde. 7,5 Mio. der knapp 30 Mio. versicherungspflichtig Beschäftigten haben nur einen Minijob, für fast 5 Millionen ist er der einzige Erwerb. 1,3 Mio. Deutsche können von ihrer eigenen Hände Arbeit mit rd. 6,20 € pro Stunde nicht überleben und sind als “Aufstocker” auf “Hartz IV” angewiesen, zeigt die Statistik. Zahlreiche Dienstleistungen setzen auf Geringverdiener, wie Taxi, Friseur oder Gaststätte, Einzelhandel, Zeitarbeit, Callcenter, Hotel oder Sicherheitsdienst. Erschreckend: 80% aller Geringverdiener in Deutschland besitzt eine Berufsausbildung.

Fakt 4: “Hightech + Hartz IV”

Das Internet fragt nicht, bevor es eine Branche umwälzt. Die Digitalisierung frisst ihre Eltern: Qualifizierte Jobs wandern in den Niedriglohnsektor, Tätigkeiten ohne Lösungskompetenz werden ausgelagert oder automatisiert – Arbeiter und einfache Angestellte landen wie 6 Mio. “Hartzer” in der Falle. Längst sind Studium und Berufsausbildung kein Garant mehr für ein erfolgreiches Arbeitsleben. Kreativ-Branchen – wie Werbung, PR und Event-Marketing – existieren auf dem Rücken der “Generation Praktikum”. Bachelor- und Masterabsolventen inkl. Auslandserfahrungen enden in Metropolen wie Berlin nicht selten in der “Praktikumsschleife”.

Fakt 5: “Weiter so, wie 1850”

Deutschland steckt im Umbruch: Vor allem der Dienstleistungssektor ist durch das Internet mitten in der Industrialisierung, sagt Gunter Dueck. Banken, Versicherungen und Telekommunikationsanbieter retten sich in Automatisierung und Fusionen. Die “digitale Arbeit” – auf der einen Seite wird sie immer besser, auf der anderen Seite immer weniger. Viele Industrien in Deutschland stecken in alten Machtgefügen und sind mit ihrer Arbeitsorganisation für die Zukunft nicht gewappnet. Lediglich 2,7 Millionen vornehmlich qualifizierte Berufstätige haben ihren Schreibtisch heute zu Hause, können ihre Zeit selbst einteilen, Leben und Arbeiten unter einem Dach vereinen. Und gehen damit einen anderen Weg. In deutschen Chefetagen gilt ‘Weiter so!’ mit Hierarchien, Kontrolle und Flexibilität wie zu Fließbandzeiten anno 1850.

Welche Hausaufgaben muss die Politik erledigen, um Schule und Studium wieder zur Grundlage eines erfolgreichen Arbeitslebens zu machen? Welche Anforderungen stellt die “Generation Internet” heute als Junior-Manager an Chefs und Personalabteilungen? Wie können Deutschlands Arbeitgeber veränderten Lebensmodellen Rechnung tragen? Und wie können wir uns alle fit für die nächsten Jahre in Lohn und Brot machen? Lesen Sie in Kürze Teil 2 von “Erdrutsch in der Arbeitswelt” – hier auf dem Netfox-Blog.

Autoren: Thomas Keup; Kristin Dethloff

Über NETFOX AG

Die NETFOX AG versteht sich als IT-Dienstleister der nächsten Generation - mit der Erfahrung aus 25 Jahren Beratung und Betreuung von Hardware, Software und Services in Unternehmen und Verwaltungen. Die IT-Spezialisten der NETFOX AG arbeiten daran, aktuelle Probleme der Kunden zu lösen sowie Zeit und Kosten zu sparen. NETFOX. Sicherheit inklusive.

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